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Geschönte Stadtansichten auf Münzen - Schein und Wirklichkeit

Manfred Olding
13. Deutsches und 24. Mitteldeutsches Münzsammlertreffen 2016
in: Potsdamer Münzfreunde erzählen ..., Heft 3, S.133-135

Eine der wenigen Ansichten der Stadt Osnabrück auf einer Münze findet sich auf einem mehrfachen Taler des Bischofs Ernst August (1662 - 1698). Dieser entstand wohl aus Anlaß seines Regierungsantritts (1679) als Herzog von Braunschweig und Lüneburg in Hannover nach dem Tod seines Bruders Johann Friedrich (1665 - 1679). Das schöne Schaustück wurde in der Münzstätte Zellerfeld geprägt. Auf der Vorderseite sehen wir das fünffach behelmte 12feldige barocke Wappen mit Osnabrücker Mittelschild.


Berühre das Bild mit der Maus, um die Vorderseite zu sehen.

Dargestellt ist auf der Rückseite der 84,5 mm großen Silbermedaille, unter den Insignien der weltlichen und bischöflichen Macht - nämlich das Welfenschwert und der Osnabrücker Bischofsstab - der linke Bereich der Stadt aus Richtung Osten gesehen. Er zeigt die Neustadt mit der Johanniskirche und die Darstellung einer vorgelagerten Festungsanlage mit einem gewaltigen schloßähnlichen Gebäudekomplex. Dieser soll die Petersburg darstellen, mit deren Bau 1628 begonnen wurde. Der Festungsbau wurde allerdings nach der Eroberung Osnabrücks durch schwedische Truppen unter der Führung des Oberst Dodo von Knyphausen im September 1633 geschliffen und die vorhandenen Gebäude, es waren wohl bis dato nur einfache Behausungen für die Soldaten des Bischofs errichtet, abgerissen.


1647 Mathäus Merian der Ältere (1593-1650)

Als Vorlage fur die Stadtansicht von Osnabrück benutzte der Stempelschneider einen Stich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1647, der - aus welchen Gründen auch immer - die Festungsanlagen mit einem Fantasieschloß versah. Merian wird die Stadtansichtszeichnung aus der Vogelperspektive von Wenzel Hollar aus dem Jahre 1633 als Vorlage übernommen haben, die auch schon eine kleine Burganlage, welche ja ursprünglich geplant war, zeigt.

Dieser Vorgang macht recht deutlich, wie schnell ein falsches Bild entsteht aus dem Umstand, dass zum einen das zur Schau stellen der bischöflichen Macht und zum anderen die Unkenntnis der geografischen Verhältnisse des Objektes solche Ergebnisse produziert. So hat Merian die Schlossanlage gegenüber der benutzten Vorlage deutlich aufgebauscht. Der Stempelschneider hat dann diese Vorlage unkritisch bis ins Detail getreu übernommen. Für ihn kam es darauf an, zu diesem besonderen Ereignis ein Bild der Eintracht der weltlichen und bischöflichen Macht darzustellen. Diese nennt auch die lateinische Umschrift der Bildseite mit der Stadtansicht:
"Sie sind miteinander glücklich verbunden".


1767 Christoph Rudolph Reinhold (1739-1791)

Eine Stadtansicht aus dem 18. Jahrhundert zeigt dann den realen Zustand der ehemaligen Festungsanlage: ein schöner Lustgarten zum Flanieren für die Bürger der Stadt.

Literatur:
Kennepohl, Karl: "Die Münzen von Osnabrück", München 1938.
Münzfotos: London Coin Galieries/Künker, Auktion 1, 30.11.2015, Nr.205.



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