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Im mittelalterlichen Wien: Die "Wiener Pfennige"

Klaus Christiansen
MünzenRevue 5/1990, S.464-468


(hier Leseprobe, es fehlen die Anmerkungen und Abbildungen 1-5)


Womit man es hier zu tun hat ...
Weil sie - gottlob - immer noch häufig sind und somit recht "billig" angeboten werden können, finden sich viele mittelalterliche Silberpfennige aus der einstigen Haupt- und Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation oft genug in Lots, gern vergesellschaftet dann mit anderen österreichischen bzw. süddeutschen Pfennigen u. ä. Zumindest trifft dies für die einschlägigen Gepräge der Zeiten nach etwa 1250 zu. Auch die so reichliche Wiener Präge des 1278 auf dem Marchfeld gegen Rudolf v. Habsburg gefallenen Böhmenkönigs Ottokar II. (1251-1276, ja auch Herzog v. Österreich) hat sich hier natürlich niedergeschlagen, schier unübersehbare monetäre Spuren hinterlassen. Die berühmte Ausnahme von der Regel bilden da insbesonders die Wiener Pfennige des bereits genannten Begründers der Habsburger Kaiserdynastie, des aus der Nordschweiz stammenden Grafen und späteren Kaisers Rudolf v. Habsburg (1273-1291), mit weichem ja die leidige herrscherlose Zeit im Reiche, das Interregnum, enden sollte.

Versteht sich, daß es sich bei den "Wienern" (den allermeisten Zeitgenossen wohl nur als delikate Knackwurst ein Begriff) so gut wie ausschließlich um den silbernen Pfennig/Denar handelt - Hälblinge/Obole und Viertel/Scherfe sind damals ja - zumindest regulär - kaum geschlagen worden (um hier von den "gröberen" Sorten zu schweigen, der Groschenmünze und den Goldgulden nämlich). Diese Wiener Pfennige Kaiser Rudolfs I., von welchen es ein halbes Dutzend Gepräge gibt, kann man allerdings wohl kaum für'n Ei und Butterbrot bekommen, erwerben - sei es, daß sich derartige Rundlinge gelegentlich in Lots verirren, wiederfinden, einfach nicht erkannt worden sind. Ansonsten aber trifft unsere Eingangsfeststellung für die allermeisten der ja bis in die Tage Kaiser Friedrich III., der "Reichserzschlafmütze" († 1493) geprägten älteren Wiener Pfennige zu, reicht auch noch über die "Schinderlingszeit" (Höhepunkt 1457-1460) hinaus (daß aber ausgesprochene "Kabinettstücke" natürlich immer ihren Preis haben, braucht hier nicht betont zu werden).

Um es hier aber gleich zu sagen: Für viele Sammlerfreunde mögen diese "Wiener" (ja auch Sammelbegriff, diese Bezeichnung gilt auch für die Pfennige Wiener Schlages anderer altöstreichischer Münzstätten) wohl kaum großen Reiz besitzen, ggf. wegen ihrer recht unscheinbaren, schlicht-primitiven Form eher abstoßend wirken. Auch sind jene sehr oft nur flüchtig geprägten Münzen mit ihren groben, öfter unvollständigen und schlecht zentrierten Münzbildern (Vierschlag!) und für die Beilegung meist wenig hilfreichen, oft leicht aufgebogenen Rändern in aller Regel (die Ausnahmen ließen sich quasi an einer Hand abzählen) inschriftlos bzw. "stumm", verraten mithin prima vista weder Münzherrn noch Münzstätte (daß hier Prägejahr/Jahrgang und Wertangabe/Nominal fehlen, liegt bekanntlich in der Natur der Sache). Einigermaßen typisch sind natürlich auch die ungleichmäßigen, unrunden bzw. eckigen (teilweise "zipfligen") Schrötlinge/Flans. Und selbst wenn man es mit einigermaßen "anständiger" Erhaltung zu tun haben sollte (von Lotware kann man selbstredend nicht allzu viel erwarten), so wären viele Münzbilder letztlich wohl erst davon vollständig bzw. einwandfrei zu erkennen, wenn man mehrere identische Exemplare nebeneinander legen bzw. beachten würde. Wessen Augen nicht an mittelalterliche Gepräge gewöhnt sein sollten, wer nur wenig im Umgang mit den Münzen jener Epoche geübt sein sollte, dürfte sich hier natürlich besonders schwer tun - für "Abhaksammler" mit nur wenig Zeit und Muße trifft dies natürlich erst recht zu. Und erst auf den zweiten Blick ist meist zu erkennen, daß die Münzbilder der "Wiener", auf welche wir noch zu sprechen kommen werden, trotz ihres derb-schematischen Stils äußerst eindrucksvoll sind, erhebliche Aussagekraft besitzen können, durchaus etwas vom Geist der fernen Zeiten erahnen lassen. Die Alt-Wiener Stempelschneider dürften mithin ihr Handwerk durchaus verstanden haben - eigentliche "Künstler" aber sind sie freilich nicht immer gewesen.

Was die Mache ("Fabrik") angeht, so verraten uns besonders die "Wiener" nach ca. 1300, daß wir es bei ihnen mit ausgesprochener Massenproduktion zu tun haben, mit sehr oft flüchtig-liebloser Prägung (Zwitterprägungen und Doppelschläge!), wobei man damals der Einfachheit halber bei diesen an und für sich beidseitig zu prägenden/bebildernden Silberpfennigen ("Dichtmünzen") sehr oft die jeweiligen Rückseiten ganz einfach "leer" belassen hat, dort vielfach lediglich Prägespuren der Gegenseite (Avers) bzw. das Vierschlag-Quadrat erscheint - z. T. hat man es natürlich auch mit alten, nur hastig "neutralisierten" Flans zu tun, um hier vom "Bloßgeld" des 14. Jahrhunderts zu schweigen, da die Schrötlinge "ganz ohne" in den Verkehr gelangt waren. Wie dem nun aber auch sein möge: Ohne einschlägige Fachliteratur dürften auf unserem Gebiet wohl nur ganz wenige "Kenner" weiterkommen, tatsächlich herausfinden können, welcher alt-österreichischer Münzherr da nun in welcher seiner jeweiligen Münzstätten ("Wiener" gibt es ja u. a. auch aus Wiener Neustadt und dem steirischen Graz) seinerzeit den Hammer hatte schwingen und Münzen vom Stempel springen lassen. Für "Otto" Normalverbraucher" sei heute dabei besonders auf Bernhard Kochs "Der Wiener Pfennig" (Wien 1983) verwiesen - Hofrat Dr. Koch ist in diesem seinem Werk doch ganz erheblich über Altmeister Luschin v. Ebengreuth und andere numismatische Vorarbeiter hinausgelangt. Daß bei der Lückenhaftigkeit der Quellen der Wissensstand streckenweise noch immer recht unsicher ist und Zweifel zwangsläufig bleiben müssen, gehört ja auch für viele andere Gebiete der Mittelalter-Numismatik quasi mit zum Geschäft. Der Kochsche Katalogteil aber sollte es schon schier jedermann ermöglichen, auch ohne allzu große Mühen und Zeitaufwand "auf den Punkt" zu kommen, die jeweils notwendigen Feststellungen treffen zu können.

Ein anderes Kapitel wären dabei natürlich die sogenannten ungarischen Wiener, die Nachahmungen (gern auch als "Hälblinge" angesprochen) von "Wienern" im Königreich Ungarn, die ja für gewöhnlich kleiner und leichter sind als ihre Originale. Und daß es damals auch schon Fälschungen/Falsa gegeben hat, dürfte nicht sehr verwundern. Merke aber: Wer über die österreichische resp. Wiener Historie nicht einigermaßen im Bilde sein sollte, den dürften unsere oft so wenig ansehnlichen Silberpfennige, Primärurkunden längst vergangener Tage, kaum sehr motivieren, sich näher mit ihnen zu befassen oder ggf. gar systematisch zu sammeln.

Beginn der Wiener Münzprägung MÜNZERHAUSGENOSSEN - MÜNZLOKAL - DIE WIENER MARK / MÜNZFUSS - MÜNZBEZIRK (UMLAUFGEBIET).
Es ist kaum anzunehmen, daß zu Wien bereits in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten, im damals keltischen Vindobona, bereits geprägt worden ist - jedenfalls kennt man hierzu bis dato kein entsprechendes Münzmaterial. Anders sollte dies dann in den Zeiten der Römer werden, während der ab 15 v. Chr. erfolgten römischen Besetzung Österreichs, als u. a. auch das Wiener Becken ein Teil der Provinz Pannonien wird. Dort, an der stets unruhigen Nordostgrenze des Römischen Kaiserreiches, stirbt anno 180 n. Chr. ja auch der "Philosophenkaiser" Mark Aurel im Legionslager Vindobona - Wien. Doch Münzen sollten dort erst geraume Zeit später geschlagen werden, wohl erst während der 2. Hälfte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts, nämlich in den Tagen des Tetricus und einiger anderer "Soldatenkaiser" wahrscheinlich (Münzstätten-Sigle V?). Ähnlich war dies ja auch im berühmten, um Petronel und Deutsch-Altenburg gelegenen Carnuntum, der ehem. Provinzhauptstadt Panoniens (etwa 40 km östlich von Wien, auch am Donaustrom). Doch diese vielfach maroden und etwas dubiosen römisch-


1 Hzgt. Österreich. Heinrich 11. Jasomirgott, 1141 -1177 (aus dem Hause Babenberg). Silberpfennig/Denar vom sog. Sirenen-Samson-Typ. 1:1, 0,95 g, Oberm. Taf. 11, 28, Koch 22 (var.). Aus dem Fund von Zombar (Nr. 7). Nach 1150. Viele Varianten. Vs.: Gekröntes Ungeheuer mit menschlichem Oberkörper, der gespaltene Unterleib endet in zwei Tierleibern ("Sirene"), Perlreif, Hufeisenrand. Rs.: Ein Krieger bekämpft einen Löwen, doppelter Perl reif, Hufeisenrand. Dieser "Dünnpfennig" aus dem sehr wahrscheinlich mit dem 2. Kreuzzug zusammenhängenden Fund von Zombar (bei Esseg/Ungarn, heute Jugoslawien), welcher über 600 Exemplare der ältesten österreichischen Pfennige enthielt, wird neuerdings nach Wien gelegt und wäre somit höchstwahrscheinlich die allererste Wiener Münze - zumindest nach der Römerzeit. 2 Erzherzog Sigismund v. Tirol, gen. "der Münzreiche", 1439-1490. Guldiner 1486 (Revers) aus der Münzstätte Hall (bei Innsbruck). 1:1, Silber, Gewicht 31,77 g .. M.-T. 64. Davenport 8087. -Von der Prägung der ersten "Wiener" bis zu der Talermünze, welche ja im heutigen Bundesland Tirol "erfunden" worden ist, war es ein weiter Weg, liegen mehr als zehn Generationen. Unser Stück hier zeigt sehr schön Wappenschilde, welche z. T. heute noch in den verschiedendsten Regionen der Republik Österreich Verwendung finden, in Gebrauch sind. 3 Premysl 11. Ottokar, als Markgraf v. Mähren, 1247-1278. 1:1, Silber. Denar mit Name und Titulatur (OTA! KARVS REX) auf der Vorder- bzw. Wappenseite (Rückseite: König mit Schild und Speer). Auch für die Wiener Münzpräge sollte dieser Ottokar ja eine große Rolle spielen - auf einem der "Wiener" erscheint er als DVX OTHOCHER, als Herzog (v. Österreich). Cach 971, Lanz 581, R, Wien = Luschin 50, Koch 155. 4. Krems (Niederösterreich, in der Wachau). Markgraf Leopold 111., 1095-1136. Dünnpfennig ("Halbbrakteat") nach 1110/20. 1:1, Silber, Gewicht 0,84 g. Koch 3. Fund Rakwitz 27a. Ex Aukt. Aufhäuser 3/824 (1986). Vs.: Kreuz mit Ringeln in den Winkeln, Perl kreis, Rand mit Dreiecken und Ringeln. Rs.: Unter einer Standarte zwei sitzende Gefangene (Nachahmung AE 3/4 aus der Zeit Konstantins d. Großen). Diese Münze gehört mit zu den allerältesten österreichischen Münzen - leider ist ihre Zuteilung noch nicht ganz gesichert. 5 Ebtm. 5alzburg. Heinrich V. gemeinsam mit König Heinrich 11. und Bischof Hartwig (1018-1026). Denar aus der sog. sächsisch-fränkischen Kaiserzeit. 1:1. Hahn 99 Ac4. Ex. Aukt. Aufh. 1986 (823). Kreuz, zwischen den Balken (rückläufig) HEINN - DVXlGiebelkirche m. Mm. Name CCI, verkürzte Legende. Diese o. ä. Denare des "ottonischen Reichsstiles" sind weiter östlich, im Herzogtum Österreich, niemals entstanden - erstmals erscheint der Name Wiens ja auf einer 'salzburgischen Urkunde (881).
kaiserlichen Antoniniane und andere "Limesprägungen" (wie bei Kaiser Regalianus ja oft genug Überprägungen, alten Flans) sollen uns an dieser Stelle nicht weiter beschäftigen, interessieren. Und dies muß hier auch für die nun folgenden, numismatisch "dunklen" Jahrhunderte gelten, fast für ein volles Jahrtausend, als sich im burgenländisch-niederösterreichischen Raum u. a. ja auch die Hunnen ausgetobt haben (um 425, im Zuge der Völkerwanderung). Es folgen dann - "münzlos" - die bayerischen Agilolfinger und die fränkischen Karolinger - der Name Wenia = Wien taucht dann erstmals anno 881 auf, und zwar in einer Salzburger Urkunde - auf Münzen findet dies aber erst viel später statt, nämlich erst unter Rudolf v. Habsburg, also nach 1278 (als "WIN", s. Koch 180 / Luschin 59). Im Jahre 1137, nach Wiederherstellung der Ostmark um 960, bereits unter den Babenbergern (man denke an die goldene Jubiläumsmünze von 1976!), wird Wien dann erstmals auch als "Stadt" (civitas) bezeichnet - dort vorbei geht ja auch der mythisch-fiktive Durchzug der rachedurstigen Burgundern, der Nibelungen.

Bereits unter Heinrich II. Jasomirgott (erster "Herzog" v. Österreich 1156) aber war Wien Residenz der Babenberg er geworden. Die Münzprägung beginnt dort so zwischen 1189 und 1194, sehr wahrscheinlich aber 1193/4, nach dem Einlangen der vom widerrechtlich gefangen gehaltenen englischen König Richard Löwenherz erpreßten Geldmengen - wer denkt da nicht an Robin Hood und den perfiden Königsbruder Johann ohne Land? Es war damals ja die Zeit der Kreuzzüge - bemerkenswerterweise haben die 1189 durchziehenden Kreuzfahrer Wiener Pfennige aber anscheinend noch nicht gekannt bzw. nicht kennen können (die Fundlage läßt hier nur wenig Zweifel), hingegen aber solche aus Krems (Wachau) und dem steirischen Friesach, der erzbischöflich-salzburgischen Münzstätte. Zu Krems, mithin im viel besungenen Wachauer Landl, hatte sich wohl überhaupt die allererste Prägestätte Österreichs bzw. der dort seit 976 herrschenden Babenberger befunden. Daß Krems auch an der Donau liegt, läßt die geopolitische und merkantile Rolle dieses gewaltigen Vielvölkerstroms ahnen, die rege Schifffahrt unterhalb von Passau. Daß trotz der damals auch in Österreich aufkommenden Münzprägung resp. allmählich sich entwickelnden Geldwirtschaft sich der gewohnte, uralte Natural- bzw. Tauschhandel noch sehr lange wird halten haben können - zumal außerhalb der Städte, im ländlich-agrarischen Bereich - dürfte kaum bezweifelt werden können. "Wiener Pfennige", die späteren "Wiener", werden jedenfalls erstmals um 1203 genannt, und zwar in den berühmten Reiserechnungen des Passauer Bischofs Wolfger v. Ellenbrechtskirchen. Aber auch die Handfeste (= Statuten) König Rudolfs v. Habsburg von 1277 für die Wiener Münzerhausgenossen, von welchen noch zu reden sein wird, läßt heute die Fachwelt an einen Prägebeginn zu Wien vorzüglich an die Zeit um 1193/4 denken - als frühe Münzstätten wären hier noch Neuenkirchen und Fischau (beide westl. Wiener Neustadt) sowie Enns (östl. Linz) zu nennen, vor 1240 wird aber auch schon in Wiener Neustadt geprägt.

Bis in die Herrschaft Herzog Albrecht II. (1330-1358), von weichem ja auch die kostbaren Goldgulden (Florenz, Mzz. Bindenschild) aus dem steirischen Judenburg stammen, sind in unserem Gebiet (Österreich ob und unter der Enns) ungefähr ein Jahrhundert lang Enns, Wiener Neustadt und Wien mehr oder minder kontinuierlich als Münzstätten in Tätigkeit gewesen. Besonders der hierbei zu beobachtende, gemeinsame signifikante Bild- resp. Stempelgebrauch läßt an zentrale Münzadministration denken, nicht zu vergessen auch die weitgehend scheinbar abgestimmten bzw. übereinstimmenden Pfennig-/Denargewichte (soweit die Al-marco-Prägung eine solche Aussage zulassen sollte) und die kaum unterschiedlichen Feingehalte. Schließlich stellen aber die bei den erstgenannten Münzstätten ihren Prägebetrieb ein, womit nun nur noch das längst habsburgische Wien (zunächst) als einzige Münzstätte in Ober- bzw. Niederösterreich verbleibt, weiterprägt. Inwieweit damals auch noch an das der Residenzstadt nicht sehr ferne Klosterneuburg zu denken wäre, kann an dieser Stelle natürlich nicht weiter erörtert werden.

Anno 1334 beträgt der Münzgewinn ("Schlagschatz") des österreichischen Herzogs ca. 500 (Zähl-)Pfund Pfennige, mithin fast 120000 Stück Denare. 1359 - nach der merklichen Teuerung des Silbers in jenen Tagen - verzichtet dann Herzog Rudolf IV. (1358 -1365, erster "Erzherzog") gegen den Ungeldbrief (Ungeldsteuer) vom 21. März auf sein Recht der alljährlichen Münzerneuerung ("Münzverrufung"), wodurch dem Lande bis dahin ja nicht gerade wenig Schaden erwachsen war. An die Stelle des "neuen" oder "rechten" Pfennigs der jeweiligen Münzerneuerung trat nunmehr (aber erst nach drei Jahren, 1362, nach einer längeren Prägepause) eine Art "Ewiger Pfennig", also Geld, das zeitlich unbegrenzt gültig bzw. in Umlauf bleiben konnte. Vorbei also auch hier die Zeiten des verlustreichen, periodischen Zwangsumtausches der Pfennige, da die "alten", verrufenen, nur noch als Metall nach Gewicht resp. Feingehalt ("Korn") Wert besaßen, genommen wurden. Viele Funde sprechen da ja ganz für sich. Daß nun aber die bisherige Vielfalt der Münzbilder abnahm, zurückging, dürfte kaum verwundern.

Während und auch noch nach den "Zeiten der regionalen Pfennigmünze", im "Zeitalter des Denars", als ja neben dem silbernen Pfennig und dessen weitaus weniger geschlagenen Teilstücken (Obol, Scherf) kein anderes, größeres Nominal zur Ausgabe gelangte, geprägt worden war, hat auch der österreichische bzw. Wiener Pfennig - natürlich - latenten Wertverfall (Minderung des Gewichts bzw. Silbergehalts) durchgemacht. Selbiger betrug in unserem Falle zwischen 1250 und 1350 etwa 20 %, ist mithin kaum merklich vor sich gegangen, wenig spektakulär gewesen (zumal man es ja mit "Al-marco-Prägung" zu tun gehabt hat, als die Stücke nicht einzeln justiert/ausgewogen wurden und nur eine bestimmte Anzahl von ihnen eine Gewichtsmark ausmachen mußte - auch an die natürliche Abnutzung und die unredliche Saigerung wäre hier natürlich noch zu denken). Dieses "Pfennigmonopol" ist im alten Österreich jedenfalls vergleichsweise sehr lange aufrecht erhalten worden - wie ja auch im benachbarten Bayern, mit welchem es damals in Münzdingen wiederholt Absprachen gegeben hat, um hier nicht von "Konventionen" zu reden. Hier wie dort traten eigene Groschen bzw. Pfennig vielfache (Multipla) erst relativ spät in Erscheinung. Und auch die "Münzreform" von 1399 hat da nur wenig Änderung gebracht, Wandel geschaffen - der Umlauf fremder Sorten im Lande wäre ein Kapitel ganz für sich.

Daß Handel und Gewerbe (und natürlich auch der Fiskus selbst) damals Sorten über dem Pfennig benötigt haben, ist wohl kaum ernsthaft zu bestreiten. Warum man seinerzeit in unserem Österreich bewußt auf eine angemessene Differenzierung des Münzwesens, auf die "Modernisierung" des Münzregals, verzichtet und auch keine autonome "Oberwähr" geschaffen hat, dürfte sich ganz primär aus der doch wesentlich größeren Wirtschafts- und Finanzkraft der Nachbarstaaten erklären - von Bayern war ja bereits die Rede.

Denn Mangel an Edelmetall kann hierbei kaum ausschlaggebend gewesen sein. Groß- und Fernhandel blieben also weiterhin auf fremde "Oberwähr" angewiesen (man denke auch an Gold- und Silberbarren bzw. die Barrenmark), nämlich auf den offiziell 100 Wiener Pfennige gelten sollenden (1373, Verhältnis Gold:Silber ca. 12:1) ungarischen Dukaten, mithin auf eine "Handelsmünze" ohne festen Kurs, von schwankendem Wert. Dieser dem alten (Florentiner) Goldgulden Konkurrenz machende und schließlich verdrängende Dukat aus dem ungarischen Königreich (italienisch: "ongaro") hatte jene Oberwähr-Funktion ja beileibe nicht nur für Österreich besessen, ausgeübt - mit der "Leitwährung" unserer Tage wäre er aber nur sehr bedingt zu vergleichen. Der späte österreichische Versuch von 1410, alle anderen Sorten im Lande zu verrufen (verbieten), dürfte nach Lage der Münzdinge à priori zum Scheitern verurteilt gewesen sein, kaum viel gefruchtet haben - damals sollte allein der "Wiener" noch Gültigkeit besitzen, umlaufen.

Besonders dank der intensiven Forschungen des Altmeisters der österreichischen Mittelalter-Numismatik, Prof. Luschin v. Ebengreut († 1932), ist man trotz der wieder einmal auf unserem Gebiet mangel- bzw. lückenhaften Dokumentation über den mittelalterlichen Wiener Münzbetrieb ganz gut im Bilde. Natürlich unterscheidet sich jener technischformal nur unwesentlich von dem vergleichbarer Prägestätten im alten Reiche. Wien hat damals ja mit zu dem 1½ Dutzend Münzstätten gezählt (übrigens auch das bischöfliche Passau und die oberpfälzisch-niederbayerische Metropole Regensburg, eine bischöflich-herzogliche Communionsmünzstätte), in welchen über Generationen die sog. Münzerhausgenossen den lokalen Münz- bzw. Prägebetrieb in Regie gehabt hatten - die Statuten für Wien, die Handfeste Kaiser Rudolfs von 1277, sind oben ja bereits erwähnt worden.

Die Geschichte dieser aus guten Gründen auch zu Wien besonders privilegierten Körperschaft wäre nun natürlich ein Kapitel ganz für sich allein. Gesagt sei hier aber noch, daß man es bei jenen "Hausgenossen", deren Geschäfte von der Silberbeschaffung über den Wechsel bis hin zum eigentlichen Prägebetrieb gereicht haben, auch in unserem Falle beileibe nicht mit einer Art Großfamilie oder gar "Münzergewerkschaft" zu tun hat, wie aufgrund der so anheimelnd-familären Bezeichnung vielleicht vermutet werden könnte - auch handelt es sich hier um keine eigentliche Zunft. Vielmehr wäre auch für Wien ganz primär an finanziell potente Angehörige des Großbürgertums zu denken, an vermögende Ministeriale (Hofleute, "Beamte"). Erst 1522, mithin kurz vor Beginn der neuzeitlichen Reichsmünzordnungen, schon in den Zeiten der Kreiseinteilung des Reiches (1512), sollten dann schließlich auch die Wiener "Hausgenossen" aufgehoben werden, nachdem deren Privilegien 1405 noch einmal bestätigt worden waren.

In der Spätzeit der Hausgenossenschaft, im 15. Jahrhundert, erscheinen sogar die Namensinitialen einiger ihrer Mitglieder bzw. Wiener Münzmeister auf den von selbigen besorgten "Wienern" - zuerst geben sich da die Münzmeister Paul der Würfel und Rudolf Angerfelder zu erkennen (ca. 1410-1427). Am bekanntesten und heute recht häufig im Handel anzutreffen sind wohl die "Hausgenossenpfennige" des.Nikolaus Teschler mit ihren kapitalen Lettern W-H-T (= Wiener Hausgenossen Teschler) um den Wien er Kreuz-Stadtschild (undatiert, um 1460), welche anscheinend unmittelbar nach der sog. Schinderlingszeit entstanden sein dürften. Damals vermochte ja auch die Stadt Wien, ihren Einfluß auf das Münz- und Prägewesen in ihren Mauern zu verstärken, auszubauen. Manche der Teschler-Pfennige zeigen uns ja auch ihren Jahrgang (14)60, geteilt durch die Namensinitiale Kaiser Friedrich III., über dem Stadt- bzw. Bindenschild - oft nicht ganz einfach zu erkennen, auszumachen. Die allerersten altösterreichischen "Jahrgangspfennige", also mit der Jahreszahl ihrer Emission, sind ja Grazer Schwarzpfennige (auf Wiener Schlag, mithin "Wiener") aus dem Jahre 1456 (5-6). Kurz vor ihrer Auflassung, 1510, und während einiger nachfolgender Jahre wird durch die Wiener Hausgenossen sogar auch noch Gold geschlagen, nämlich datierte Goldgulden - ein Exemplar des höchst seltenen Jahrgangs 1520 war ja auch im großen Goldfund von Werfen (bei Salzburg, geborgen 1969) enthalten gewesen.

Das Wiener Münzlokal, das alte Münzhaus, hatte sich sehr wahrscheinlich im Bereich des heutigen Bauern-/Wildbretmarktes befunden (nach B. Koch). Seinerzeit hatte die dortige Straße "Münzerstraße" geheißen, an ihr hatte auch der herzogliche Kammerhof (Finanzministerium) gelegen, welchem die Münze ja in oberster Instanz unterstellt gewesen war. Ende des 13. Jahrhunderts, als die fürstliche Residenz in die neue Burg am Widmertor verlegt wurde, übersiedelte die Münzverwaltung dann in das neue Herzogshaus "Am Hof", das sich auf dem Areal der heutigen Kirche "Zu den neun Chören der Engel" befand. 1386 wurde die Münze schließlich in ein Gebäude an der Wollzeile verlegt. Die Schlagstube aber, wo tatsächlich die Prägung stattgefunden hatte, dürfte sich bis ins 15. Jahrhundert hinein gesondert in einem Hause in der heutigen Landskrongasse befunden haben - bis in das berühmte Wiener Hauptmünzamt sollte es ja noch ein weiter Weg sein. Die Wiener Mark, die Basis des Münzfußes unserer Pfennige, konnte hinsichtlich ihres ganz genauen Gewichts bis dato noch nicht definitiv ermittelt, belegt werden, doch hält man hier 280 bis 281 Gramm für sehr nahekommend, wahrscheinlich. Die noch älteren Wiener Markgewichte, vor der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, könnten aber durchaus erheblich leichter gewesen sein, etwa zwischen 240 und 260 Gramm liegen. Auf die "Zählmark" (tunlichst nicht mit der "Gewichtsmark" zu verwechseln) gingen damals ja auch in Österreich bzw. Wien 240 Pfennige (1 Mark = 20 Schillinge, nicht ausgeprägt = 240 Pfennige/Denare). Über den Münzfuß der "Wiener" aber gibt es fast gar keine zeitgenössischen Aufzeichnungen - selbst die bekannte Handfeste von 1277 bringt diesbezüglich nichts. Besonders wegen der "Al-marco-Prägung" läßt sich nur schwer zurückrechnen, bleibt man oft genug auf die Durchschnittsgewichte möglichst vieler einschlägiger Stücke angewiesen - jeder größere Fund könnte hier theoretisch neue Zahlen bringen, profunde Änderung bewirken.

Welche Bedeutung eine bestimmte Münzsorte letztlich besessen hat, spiegelt sich natürlich besonders in ihrem tatsächlichen ehem. Umlaufgebiet (wo diese Münzen ja ggf. weithin keinen Zwangskurs besessen haben). Der Wiener Pfennig hat sich jedenfalls auch weit außerhalb seiner eigentlichen territorialen Grenzen bewegt (wie besonders die Fundkarte zeigen kann), hat praktisch einen ausgesprochenen Münzbezirk besessen. Während er nach Norden und Osten bis tief in die heutige CSSR bzw. VR Ungarn gereicht hat, umgelaufen war (sei es nun als Geld/Nominal oder lediglich als "Silberling", welcher nach Gewicht genommen worden ist), ist nach Süden - über den Semmering - auch der Alpenhauptkamm keine ernsthafte Grenze für ihn gewesen. Im Westen, in Richtung Erzbistum Salzburg und Bayern, stieß der "Wiener" dann beiderseits der Donau primär auf die Gepräge Salzburgs und des Bistums Passau, allerdings erst westlich des niederösterreichischen Linz (Münzbezirksgrenze). Wie sehr man aber auch weiter westlich, in Bayern, auf die "Wiener" geschielt hat, angewiesen gewesen war, könnte eine nähere Betrachtung der weiß-blauen Mittelalterprägung (Hauptmünzstätte München) zeigen, beweisen - und dies gilt ja durchaus nicht nur für die fatale Schinderlingszeit (Höhepunkt 1457-1460) bzw. für die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Münzbilder - Inschriften - Jahrzahlen - Ausklang
Es ist bereits festgestellt worden, daß "Münzerneuerung" und Münzbildwechsel eng zusammenhängen. Es wäre aber wohl müßig (und auch kaum möglich), an dieser Stelle die Hauptmünzbilder bzw. -motive aufzählen zu wollen. Denn gar so typisch-unverwechselbar sind jene nämlich doch nicht, nicht derart, daß man sich an ihnen hinsichtlich der Provenienz so ohne weiteres orientieren könnte - da wären doch andere Kriterien viel relevanter (so z. B. die Ränder). Die auf den "Wienern" so zahlreich anzutreffenden Figuren und Motive aus Mythos/Religion, dem Staats- und Herrscherkult, der Flora und Fauna, aus der mit den Kreuzzügen aufkommenden Heraldik, welche sich als oder im Münzbild finden (in welcher Form/Kombination nun auch immer, oft ja auch floreal oder/und architektonisch verziert, umrahmt), sind ja auch in anderen Regionen oft genug auf die Münzen gelangt (um hier von Bauplastik und Buchmalerei zu schweigen). Versteht sich, daß so manche der Münzbildfiguren quasi präheraldischen Charakter besitzen, man es da z. T. auch mit "redenden" Bildern / Symbolen (z. B. eine Ente für Enns) zu tun hat. So weisen Wappenfiguren wie Löwe und Adler u. a. auf die Babenberger Herzöge bzw. den König v. Böhmen - es handelt sich hier beileibe also nicht nur um Raumfüllung oder bloßen Zierat, um die freie bildnerische Phantasie der jeweiligen Stempelschneider/Eisengraber. Die Tierwelt ist dabei (außer durch Monstren und Fabelwesen) von der Taube über den Panther (Steiermark) bis hin zum Elefanten vertreten, dargestellt. Eigentliche Wappen aber gelangen erst nach ca. 1235 auf die Münzen, zunächst in Form des aus Schwert und Blut entstandenen österreichischen Bindenschildes - aber auch der (noch einköpfige) Reichsadler (während des österreichischen Interregnums bzw. der Reichsverwaltung) sei hier besonders erwähnt. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erscheint dann ja auch das knappe halbe Dutzend Wappen der "Landschreiber", denen auch das Münzwesen unterstellt gewesen war - wie oben bereits ausgeführt. Inwieweit wir es bei den Wiener Pfennigen nun mit eigenständigen/autonomen Münzbildern zu tun ha- ben oder nicht (Beischläge, Nachahmungen), kann an dieser Stelle natürlich nicht weiter erörtert bzw. untersucht werden.

Wie oben bereits bemerkt, sind die allermeisten der Wiener bzw. österreichischen Pfennige des 12. bis frühen 15. Jahrhunderts völlig inschriftlos, "stumm", nennen also weder den Münzherrn noch die Münzstätte, weder den Jahrgang noch gar ihr Nominal/Wert. Die Münzstätte wird dann zuerst um 1200 einmal genannt, nämlich -lateinisch - MO(neta)ANAS(= Enns). Als erster Herrschername erscheint hier der Herzog Friedrich II. (1230-1246, gen. "der Streitbare", der letzte Babenberger), als DVX FRIDERICVS (Koch 138). Ihm folgen entsprechend Kaiser Friedrich II. und, als österreichischer Herzog, König Ottokar II. v. Böhmen (DVX OTOCHER). Doch danach wird es auf unseren Pfennigen wieder recht "stumm" - der Brauch, den jeweiligen Münzherrn zu nennen, anzugeben, bürgert sich eigentlich erst mit Beginn des 15. Jahrhunderts in Wien ein. Es ist dann ja schon die Zeit der späten Gotik, deren gebrochen-kursive Majuskeln und Minuskeln (viele Abkürzungen und Buchstabenkombinationen entsprechend auf den Wiener Pfennigen erscheinen. Wann Wien selbst zuerst als Münzstätte genannt worden war, ist oben ja bereits ausgeführt.

Mit dem Aufkommen "gröberer" Sorten (Goldgulden und Dukaten, Groschenmünze, Pfennig-Vielfache) endet dann das "Zeitalter des Wiener Pfennigs", die so lange dominierende Rolle der "Wiener". Spätestens nach 1460, nach der sog. Schinderlingszeit, ist er nur noch Kleinmünze und schon längst nicht mehr das vorherrschende, typische Wiener Geld, der "Wertmesser" früherer Tage.

3: Premysl II. Ottokar, als Markgraf v. Mähren, 1247-1278. Ø 14 mm, Silber.
Denar mit Name und Titulatur (OTA / KARVS REX) auf der Vorder- bzw. Wappenseite
Rückseite: König mit Schild und Speer.
Auch für die Wiener Münzpräge sollte dieser Ottokar ja eine große Rolle spielen - auf einem der "Wiener" erscheint er als DVX OTHOCHER, als Herzog (v. Österreich). Cach 971, Lanz 581, R, Wien = Luschin 50, Koch 155.

4: Krems (Niederösterreich, in der Wachau). Markgraf Leopold 111., 1095-1136.
Dünnpfennig ("Halbbrakteat") nach 1110/20. Ø 17 mm, Silber, Gewicht 0,84 g. Koch 3. Fund Rakwitz 27a. Ex Aukt. Aufhäuser 3/824 (1986).
Vs.: Kreuz mit Ringeln in den Winkeln, Perlkreis, Rand mit Dreiecken und Ringeln.
Rs.: Unter einer Standarte zwei sitzende Gefangene (Nachahmung AE 3/4 aus der Zeit Konstantins d. Großen).
Diese Münze gehört mit zu den allerältesten österreichischen Münzen - leider ist ihre Zuteilung noch nicht ganz gesichert.

5: Ebtm. 5alzburg. Heinrich V. gemeinsam mit König Heinrich II. und Bischof Hartwig (1018-1026).
Denar aus der sog. sächsisch-fränkischen Kaiserzeit. Ø 19 mm. Hahn 99 Ac4. Ex. Aukt. Aufh. 1986 (823).
Kreuz, zwischen den Balken (rückläufig) HEINN - DVX/Giebelkirche m. Mm. Name CCI, verkürzte Legende.
Diese o. ä. Denare des "ottonischen Reichsstiles" sind weiter östlich, im Herzogtum Österreich, niemals entstanden - erstmals erscheint der Name Wiens ja auf einer salzburgischen Urkunde (881).

8: Hzgt. Österreich. Zeit Kaiser Friedrich II. v. Hohenstaufen (1198/1215-1250). Silberpfennig aus der Mzst. Enns. Maßstab 1:1. Lu. 47a. Koch 149.
Vs.: Gekrönter ein köpfiger Adler.
Rs.: Panther l., Rand aus Lilienköpfen und Sternchen.
Es ist damals die Zeit der zentralen Münzadministration - Koch legt dieses Stück nach Wiener Neustadt.

9: Hzgt. Österreich. Zeit Kaiser Friedrich II., 1215-1250.
Silberpfennig (Denar) aus der Wiener Münze. Ø 18 mm, Lu. 48a; Koch 152.
In Wulstrand gekrönter, links schauender einköpfiger Adler mit Bindenschild auf der Brust. Um die Initiale F(ridericus) in zentralem Rund zwischen Kügelchen, Legende + IMPATOR (= Imperator/Kaiser).
Mit dieser Münze haben wir eine der ältesten österreichischen "Schriftmünzen" vor uns - sonst sind ja fast alle Stücke "stumm". Der erste Jahrgang erscheint erst viel später, nämlich 1456, auf einem Grazer (Steiermark) "Wiener".

11: Hzgt. Österreich. Albrecht I., 1282, 1298 (ermordet 1308).
Sog. Landschreiber-Wappenpfennig aus der Münzstätte Wien. Ø 11 mm, Silber, 0,79 g. Lu.91, Koch 193. Aus dem Fund Oedt bei Traun.
Vs.: Österr. Bindenschild über 2 Doppellilien.
Rs.: Schild (Wappen) des "Landschreibers" (Verwaltungschef ... ) Otto bzw. Heimo (1296).
Von diesen "Wappenpfennigen" kennt man ein knappes halbes Dutzend, von verschiedenen Landschreibern, deren damalige administrative Funktion heute nur schwer zu definieren, umschreiben ist.

12: Hzgt. Österreich. Albrecht III., 1365-1395.
Einseitiger Pfennig aus der Wiener Münze, ein "Steinbock" oder "Böckler"/"Pöckler" (man denke hier auch an das schweizerische Graubünden). 1:1, Silber. Lu. 164 a und b. Koch 262 a-i.
Von diesem undatierten Pfennig mit dem Steinbock (Protome) nach links gibt es viele Beizeichen-Varianten bzw. Emissionszeichen.
Der "Böckler" ist nämlich ab ca. 1368 über 20 Jahre ziemlich unverändert geprägt worden - Luschin hatte ihn etwas später, zwischen 1395 und 1404, angesetzt. Diese "Böckler" liegen aber deutlich vor dem "Bloßgeld"; von ihnen gibt es auch Hälblinge.

13: Hzgt. Österreich. Friedrich V., als RDR-Kaisder der III., 1452 -1493.
"Schwarzpfennig" (geringer Silbergehalt, kein Weißsud) aus dem steirischen Graz. Einseitig, aber datiert! (1456). 1:1. Luschin 20.
Dies dürfte die älteste datierte Münze Österreichs sein. Die Jahreszahl 5-6 (die Jahrhundertzahl wurde damals ja allgemein auf Münzen weggelassen) findet sich beiderseits - geteilt - des oberen Dreipaßbogens (mit der Initiale F/ridericus).

14: Hzgt. Österreich. Friedrich III., 1452-1493.
Einseitiger "Hausgenossenpfennig", undatiert (1460, gleich nach der "Schinderlingszeit" geschlagen). 1:1, Silber. Luschin 41.
In einem Dreipaß der Wiener Stadtschild und die Lettern: Initialen W-H-T (= Wiener Hausgenossen Teschler). Auch von diesem Stück gibt es Hälblinge ("Heller").

Literatur

• Koch - Der Wiener Pfennig
• Luschin - Steirische Münzfunde; Das Münzwesen in Österreich ob und unter der Enns im ausgehenden Mittelalter.
• Szego - The coinage of Medieval Austria 1156-1521.
• v. Schrötter - Wörtenbuch der Münzkunde.
• Probszt-Ohstorff - Die St. Veiter Münzstätte in Mittelalter und Neuzeit; Die Münzen Salzburgs.
• Wilberg - Regententabellen.
• Kellner - Die Münzen der niedenbayerisehen Münzstätten.
• Beierlein - Die Medaillen und Münzen des Gesamthauses Wittelsbach.
• Beckenbauer - Die Münzen der Reichsstadt Regensburg.
• Fiala - Sammlung böhmischer Münzen und Medaillen des Max Donebauer.
• Sear - Roman coins and their values.

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